Die Fotoanfänge

Wiener Prater, Kettenkarussell ©Claudia Spieß

Die Fotografie

Der Schummelmodus

Schon jahrelang war ich mit der Kamera unterwegs. Gern bei diversen Drachenfesten (Drachen – ja, genau, die Dinger, die wir als Kinder nicht in die Luft brachten. Die es allerdings in unwahrscheinlich vielen Arten, Formen, Farben und Größen gibt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was so alles „fliegen“ kann), später auf Reisen oder auch einfach nur in Wien beim Spazierengehen.

Nie hatte ich so richtig Ahnung, was das Ding alles kann. Ich hab zwar nicht im „P-Modus“ fotografiert, aber mir hat´s meist gereicht, die Blende auszuwählen. Meine SONY damals hatte eine Art „Schummler“ eingebaut. Hab ich den Modus verändert, hat sie mir jedes Mal verraten und mich auch daran erinnert, was ich mit eben diesem Modus steuern kann. Merken wollte ich mir das einfach nicht. 

Na dann lern ich es halt!

2014 und 2015 war meine „Städtetrip-Aera“. Zu der Zeit hat’s mich immer wieder für ein paar Tage in irgendeine europäische Stadt gezogen, um „mal ein bisschen was von der Welt zu sehen“. 
Auf Aussagen wie „Da fährst ganz allein hin? Da kennst ja niemanden.“ hab ich immer geantwortet: „Brauch ich nicht, hab eh meine Kamera mit.“

Von diesen Reisen hab ich Massen an Fotos mitgebracht. Wenn ich sie heute anseh, denk ich mir eigentlich nur „Oh Mann, so schade, was hätt ich aus dem und dem Motiv alles machen können.“ – Aber gut, ich war ja immer noch im „Schummelmodus“ unterwegs, mehr Ahnung hatte ich da von der Fotografie leider immer noch nicht. Das Belichtungsdreieck Blende – Verschlusszeit – ISO hatte ich kurz mal gestreift, aber mich nie richtig damit auseinandergesetzt, um es zu verstehen. Von Bildgestaltung ganz zu schweigen.

Unten zwei Fotos von damals, mit denen ich damals sehr happy war, und die ich mir auch heute noch (ohne Kopfweh zu kriegen) gern anschau. Eins davon darf sogar – ausgearbeitet auf Alu-Dibond – mein Wohnzimmer schmücken.

2015 war’s, als ich beschloss, es endlich mal zu lernen. Für mich. Meine Hobby-Kenntnisse ausweiten, die Kamera beherrschen lernen, die Fotografie begreifen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich suchte mir eine Fotoschule in Wien. Man hätte einen Infoabend besuchen können – brauch ich nicht. Gleich angemeldet. Wenn ich was will, dann will ich es JETZT und SOFORT. 

Kurz vor Ausbildungs-Start stieg ich von der „Schummelkamera“ (sorry, SONY, danke nochmal, du hast mir immer sehr geholfen) auf eine NIKON um, die D7200 war’s damals. Hatte keinen besonderen Grund, lag einfach nur gut in der Hand.
Und dann – Hallelujah! – hab ich mal die Beschreibung gelesen (sowas braucht man ja normalerweise nicht…). Hätt ich das nur vorher schon mal getan, da stand ganz schön viel Sinnvolles drin. 😉 Ab da fotografierte ich, was das Zeug hielt.

"Das Hobby perfektionieren" - Fail

Im September `15 ging die Ausbildung los. Der Plan war also, mein liebstes Hobby zu perfektionieren. Ha! Dass ich nicht lache… – Circa drei Monate hat’s gedauert, und es war klar, dass es nicht beim Hobby bleiben wird.

Ich erinnerte mich auf einmal wieder, dass mein Opa immer viel fotografiert und die Fotos dann in seiner eigenen Dunkelkammer im Bad entwickelt hatte. 
Ich erinnerte mich, dass ich in meiner Schulzeit mit der Spiegelreflexkamera meines Bruders Fotoversuche startete und so tat, als würd ich mich super auskennen – frei nach dem Motto „Fake it til you make it“…  (Diese Fotos… oh Mann, hoffentlich hat die keiner mehr!)
Ich erinnerte mich daran, dass ich kurze Zeit bei Kodak im Fotolabor gearbeitet hatte. Dort wurde mir sogar ein Job in der Retusche angeboten. Damals noch direkt am Bild mit Pinsel und Farbe. Aber ich entschied mich fürs Labor. Heute ärgere ich mich darüber, das war das analoge Photoshop – vermutlich hätte ich soooo viel lernen können.
Ich erinnerte mich auch, dass ich mich mit 18 Jahren zaghaft und ein bisserl halbherzig als Lehrling in Fotografie-Betrieben beworben hab.

Und ich hatte auf einmal wieder Fotos vor Augen, die ich vor x Jahren mal irgendwie fabriziert hab. 

Und auf einmal spür ich dieses Kribbeln ...

Keins von der unangenehmen Sorte, wenn’s einen gruselt und sich die Haare im Nacken aufstellen. Sondern dieses wohlige, warme, schöööne und vor allem aufregende Kribbeln, das in der Bauchgegend startet, sich bis zu den Zehen ausbreitet, irgendwann im Kopf landet, dort ein dämlich breites Grinsen verursacht und die Lichter in den Augen einschaltet.

Die Fotografie und ich sind uns schon so viele Male im Leben begegnet, doch nie haben wir beide begriffen, was wir aneinander haben könnten. Unsere Beziehung musste wohl lange Zeit reifen, doch letzten Endes haben wir uns gefunden. Und wieder: Dinge, die zusammengehören, finden sich. – Das hatten wir erst, nämlich bei „Spieß goes Grafikdesign“

Tja, manchmal bin ich halt von der „eher langsamen Sorte“. Aber wenn’s mal reinhaut, dann ordentlich:

  • Im September 2015 also die Ausbildung begonnen,
  • im April 2016 mein Gewerbe angemeldet,
  • kurz drauf meinen ersten offiziellen Auftrag – eine Hochzeit (uuuaaaah, der Tag, an dem ALLES perfekt sein sollte!) – fotografiert,
  • Bäääääm! Die ABLICHTEREI war geboren!


Seither hat sich da natürlich einiges getan. Von „Jaaaa, Menschen, bitte alles nur mit Menschen“ über „Nein, keine Hochzeiten mehr“ und Schul-/Kindergarten-Fotografie bis hin zur Hundefotografie, mein persönlicher Favorit. Mehr dazu später mal.

Beruhigenderweise möcht ich noch verraten, dass ich mittlerweile keinen Schummelmodus mehr benutz. Mittlerweile hab ich verstanden, was das „Werkzeug“ Kamera kann, und wie ich es wofür einsetz. Und bis heute bin ich bei NIKON geblieben – liegt immer noch gut in der Hand 😉

Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.

— Henri Cartier-Bresson —