Raus aus dem Alltag

Hüttenurlaub in Murau ©Claudia Spieß

Wenn's wieder mal Zeit für eine Auszeit ist

Urlaub! Ganze zwei Wochen. Eine davon nur zu Hause, ein paar Kleinigkeiten, die zu erledigen sind – aber nur, wenn’s mich freut. Nicht auf MUSS. Alles, was Spaß macht, worauf ich Lust hab. Da waren ein paar Kleinigkeiten an der Webseite, ein paar Fotos, die ich bearbeitet hab, und sonst nicht viel außer lange Spaziergänge mit meinem Wuff Bogey. 

Und in der zweiten Woche sollt’s wieder was Ruhiges werden. Fernab vom Alltag und den Pflichten, die er mit sich bringt, weit weg von Menschenmengen, von Trubel und Stress, von Autolärm beziehungsweise von Lärm an sich. 

Ruhe und Natur: Ab in eine Hütte

Also hab ich Bogey und unsere sieben Zwetschken zusammen gepackt, um in eine Hütte auf einer Alm oberhalb von Murau zu fahren. – Die Zufahrt: Eine Sackgasse mitten im Wald. Am Ende der Sackgasse: Die Hütte. Auf der einen Seite Wald, auf der anderen Seite eine Kuhweide (noch ohne Kühe). Und sonst? Ruhe, Ruhe, Ruhe und viel Natur! 

Am Anreisetag (Samstag) die Info: Es hat geschneit. Ma, bitteeeee! Ich möcht nicht zurück in den Winter! Aber gut, is halt so. Was soll’s. Es gibt einen Holzofen, und gleich nach dem „Einziehen“ hab ich mich also dran gemacht, einzuheizen. *knisterknister*

Winterwald

Die erste Nacht und auch am Tag drauf war’s in der Früh noch ein bissl huschi, die erste Gassirunde im Wald also mit Wintergewand: Haube, Schal, Handschuhe – alles dabei. 

Bogey war’s wurscht. Es riecht ja schließlich nach Rehen, Hasen, Wald, nochmal Rehen, und tausend anderen Sachen, die erforscht werden müssen. Das Tempo, das mein stürmischer Begleiter hier vorgelegt hat, hat mich auch gleich aufgewärmt. Win-Win!

Und dann kam der Frühling

Der Wetterbericht hat nicht gelogen: Es wurde wärmer. Die Sonne hat sich blicken lassen und den meisten Schnee weggezaubert – Danke, liebe Sonne! Ich mag Schnee, aber bitte nicht Anfang April, wenn ich mich auf Frühlingsurlaub mit langen Waldspaziergängen eingestellt hab.

Der Schnee in unserem Hüttengarten war schnell weg, und die doch noch kühleren Temperaturen haben wir wieder mit Knisterknister-Feuer im Ofen beseitigt. 

Am Montag ging’s dann los. Die Sonne war schon in der Früh da, Wolken waren fast keine zu sehen, und das Thermometer ging mal über die +10°C-Marke raus. Am Nachmittag konnt ich sogar schon das Bankerl im Freien nutzen und in der Sonne sitzen. Ohne Haube, Schal oder Handschuhe. 

Und dann kam der Frühsommer

Jeder Tag war wärmer als der vorhergehende. Und wenn man dann mit kurzärmeligem Shirt dasitzt und einen gekühlten Radler genießt, dann ist das einfach nur perfekt. 

Ich hab sogar ein bisserl Farbe bekommen. Diejenigen, die mich kennen, wissen, was das heißt. Normalerweise dauert das WOCHEN!! Aber ich hab auch nicht viel anderes gemacht als rumzusitzen. In der Sonne wohlgemerkt 😉

Abenteuer Wald

Unterbrochen wurden diese Relax-Momente von Spaziergängen mit Bogey. Wobei… eigentlich ist es falsch ausgedrückt. Das Relaxen wurde da einfach an einen anderen Ort inklusive der Tätigkeit Gehen verlegt. 

Direkt vor der Hütte war ein Rundwanderweg, von dem wir jeden Tag ein anderes Stückerl erkundeten. Mal rauf, mal runter, mal rüber, mal zurück. Spuren im Wald entdeckt, und dann sogar den dazugehörigen Tieren begegnet. Was für ein Spaß, wenn knapp eineinhalb Meter neben uns ein Hase aufspringt und lossprintet oder irgendwo zehn Meter vor uns zwei Rehe den Wald runterlaufen. Der Spaß sieht dann so aus, dass Bogey hinterher will, ich eher nicht so. Kurz drauf dann der Gedanke, ob die Jacke nicht unnötig war *schwitz*

Und zack: Tiefenentspannt

Ohne irgendwas dazuzutun, war sie auf einmal da: Die lang herbeigesehnte Entspannung. 

Die Uhr scheint hier stillzustehen, es gibt keine Termine, es gibt kein „Muss“. Der einzige „Lärm“ hier sind die Vogerl, die man zwitschern hört, und das Rauschen des Waldes. Ab und zu hört man von der Straße unten im Tal Autos. Das Gute hier ist aber, dass da einerseits wenige Autos unterwegs sind, und es auch nicht immer zu hören war. Kann man also ausblenden. – Komplett. Was bleibt: Ruhe und Natur-Geräusche. 

Zuhause hör ich oft Musik, so ein Hintergrundgeplätscher. Selten wirklich laut, in den letzten Jahren mag ich’s einfach ruhiger. Manchmal läuft auch gar nix. Und das war auch hier der Fall. Ruhe. Einfach nur Ruhe. Augen zu, und diese Ruhe in mich aufsaugen. Und damit war’s dann auch gut. Es tut gut, einmal den Kopf abzuschalten, die Gedanken drehen sich mal nicht im Kreis, wie es sonst oft passiert. Man denkt keine Knoten, sondern man denkt einfach gar nix. Man nimmt nicht das Handy zum x-ten Mal in die Hand, manchmal liegt’s einfach irgendwo und man weiß gar nicht, wo genau. Wenn man mal reinschaut, dann nur kurz ein Foto auf facebook posten, 4, 5 Beiträge durchscrollen, und gut is. – Ich mag das. Diese Auszeit von einfach ALLEM.

Bogey: Master of Entspannung

Bewundernswert auch mein genialer Wuffzi. Innerhalb weniger Stunden hat er schon ein, zwei Gänge runtergeschaltet. Seine Lieblingsbeschäftigung war dasitzen und „ins Land einischaun“. Ich find’s ja immer noch sehr amüsant, weiß auch nicht, ob das normal ist, dass ein Hund stundenlang nur dasitzen und sich das Panorama reinziehen kann. Aber er hat es gemacht. Jeden Tag. Stundenlang. 

Ich sitz in der Sonne, Bogey sitzt da und schaut. Ich hol mir was zu trinken, Bogey sitzt da und schaut immer noch. Ich hol Holz aus der Scheune, Bogey sitzt und schaut. Unglaublich. Ich hab wirklich einen sensationell einzigartigen Hund. (Während ich das schreib, liegt er übrigens auf dem Balkon und schaut…)

Keine Ahnung, ob er die Kühe unten bei einem Hof beobachtet hat, oder die einzelnen Autos. Oder er hat wirklich nur die Umgebung und schöne Aussicht genossen (- was man ihm nicht verübeln kann)? Ich weiß es nicht, aber er hat es mit so einer Ruhe getan, dass man sich ein großes Stück von ihm abschneiden kann, was das angeht. 

Die Fotos stammen übrigens von unterschiedlichen Tagen. Nur, damit ihr seht, dass ich euch hier keinen Bullshit erzähl 😉

Alltagsstress - was ist das?

Bogeys Ruhe hat sich wohl auch auf mich übertragen und umgekehrt. Die Spaziergänge waren dann meist langsamer. Wir haben uns beide die Zeit genommen, alles anzusehen, mal im Wald abzubiegen, um irgendwelche Blumen genauer unter die Lupe zu nehmen oder Steine für meinen Großneffen zu sammeln. 

Bogey hat sich auch im Wald nimmer so sehr von den 1.000 Gerüchen ablenken lassen, sondern sich auf mein (oder war’s eh seins?) Tempo eingelassen. Ging’s steiler bergab, war er nicht mehr zu ungeduldig, um auf sein langsames Frauli zu warten.

Die Ruhe und die Langsamkeit hier hat uns beide aus dem Alltag gekickt, in dem oft mal was „schnell-schnell“ gehen muss. Entspannung pur.

Vermutlich hat das sogar ein Schmetterling bemerkt, der sich einfach so auf meine Hand gesetzt hat. Oder auch die beiden Rehe, die am letzten Tag in der Früh nicht mal 20 Meter entfernt vom Zaun gemütlich rum gestanden sind. 

Entschleunigung hoch 10

Ich stell immer wieder fest, dass Urlaube ohne Trubel, ohne x Menschen drumherum das einzig Richtige für mich und meinen Bogey sind. Und damit war diese Hütte perfekt ausgewählt. 

In der ganzen Woche haben wir insgesamt fünf Menschen gesehen. Zwei davon auf Rädern, die haben aber noch weit entfernt von uns umgedreht. Und dann noch drei Spaziergänger – zwei davon erst heute, als wir wieder abgereist sind. Man grüßt und geht weiter. Menschenkontakt auf ein Minimum reduziert. 

Ich bin ja nicht wirklich jemand, der sowas wie „Ich hasse Menschen“ sagt, tu ich ja auch nicht. Aber sie fehlen mir auch nicht, wenn ich dafür die Möglichkeit hab, einfach meine Ruhe zu haben. 

Also: Kleine Hütte mit dem wohligen Knistern des Feuers im Holzofen, viel Natur rund um uns, kein Lärm.
Kein PC, das Handy auch mal liegen lassen, kein „Muss“, sondern einfach nur mal alles gut sein lassen, die Ruhe in sich aufsaugen und ein kleines Polsterl davon mit nach Hause mitnehmen. 

Alles hat ein Ende ...

Zurück in Wien bin ich gleich mal von den – gefühlt – Millionen Menschen erschlagen. Und ich wohn am Stadtrand, das ist wohl ein „Lercherlschas“ dagegen, was wohl an so manchen Hotspots in Wien los ist. Trotzdem: Mir ist’s zu viel. 

Als ich später mit Bogey eine Runde dreh, draußen an der Grenze zu Niederösterreich, zwischen Feldern und Windschutzgürteln (richtig: Da, wo man kaum andere Menschen trifft), bin ich zwar ganz froh über die Ruhe da, und dass mein Fell-Bub die „Nachrichten der letzten Woche in seiner gewohnten Umgebung nachlesen kann“. Aber auch, wenn man niemanden trifft, stolpert man unweigerlich über diverse Hinterlassenschaften wie Dosen, Flaschen, Sackerln und anderen Müll, der einfach so über die Schulter geschmissen wird. „Hier sieht’s ja eh keiner“ scheint die Devise zu sein. Doch. Ich seh’s. Und es ärgert mich gleich wieder, weil ich es einfach nie verstehen werd. 

"Home is where the heart is"

… hat Elvis Presley schon gewusst. Ich mag Wien. Ich mag meine Wohnung (sehr). Ich mag die Gegenden hier in „Transdanubien“ wie die Alte Donau, diverse Stellen auf der Donauinsel (nicht im Sommer, wo sich hier die Leute gegenseitig ertreten) oder die Lobau. Ich mag die alten, schmalen Gasserln in der Innenstadt, die voll von Geschichten sind. Aber es zieht mich dann doch immer mehr ins Grüne, in ruhigere Gegenden. Dort, wo’s Wälder gibt oder Wiesen und Felder. Dort, wo man sich freut, wenn man mal einen Menschen sieht, ihn freundlich grüßt, vielleicht ein paar Worte wechselt, und gut is. Dort, wo man sich vielleicht sogar manchmal fragt „is ned vielleicht ZU ruhig?“. Denn die Frage ist mir bei weitem lieber als die Feststellung „es is scho wieder viel zu laut!“

Meine Mama sagt oft spaßhalber (? – bin mir da manchmal nicht so sicher): „Wir ziag’n ins Woidviertl.“ Und manchmal denk ich mir, dass das gar nicht mal ihre schlechteste Idee wäre. 

Die Stille ist das Atemholen der Welt.

— Friedel-Marie Kuhlmann —